Teil eines Werkes 
4. Bd. (1875)
Entstehung
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dernder oder ſchmachtender Blick unerwidert begegnet war, den im Grunde ziemlich unverdienten Beinamen le farouche erworben.

Ob die junge Dame dort, die zwiſchen ihm und ſeiner Schweſter ſaß, mit dem Beinamen einverſtanden, theilweiſe darüber ſogar erfreut oder im Gegentheile mißvergnügt war, daß auch ihr kein Anlaß zur Er⸗ theilung eines paſſenderen wurde, ließe ſich ſchwer be⸗ ſtimmen. Sie hat ihr hübſches, blühendes Geſichtchen mit ſo ungetheilter Aufmerkſamkeit auf die Brodſchnitte zwiſchen ihren feinen roſigen Fingerchen gerichtet, ſie iſt ſo emſig daran, die goldgelbe Butter aufzuſtreichen und ſo befliſſen, das fertige Brödchen auf der Meſſer⸗ ſpitze über den Tiſch hinüber dem dicken, gemüthlich lachenden Schwager ihres Nachbars zu präſentiren, daß es den Anſchein hat, als dürfe der Letztere nicht die geringſte Aufmerkſamkeit von ihr beanſpruchen, ja, als ſei ihr über die Wichtigkeit der Beſchäftigung auch die Anklage der Couſine gegen denſelben ganz und gar entgangen. Vetter Sinzenbach aber iſt ein behäbiger Ehemann, der ſeinen Scherz mit hübſchen jungen Mäd⸗ chen liebt, zumal wenn ihre Schüchternheit ihm das Necken erleichtert, natürlich nur das Necken mit An⸗ dern, denn ſein energiſches Frauchen war ihm viel zu lieb und theuer, als daß er ihre ohnedem leicht über

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