Teil eines Werkes 
4. Bd. (1875)
Entstehung
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ſeltenen Männerſchönheiten, die nicht nur auf den erſten Blick feſſeln und dann langweilen, ſondern gleich dem Auge auch die Seele feſthalten, weil die tadelloſen Züge nicht wie auf leere Leinwand zierlich hingepin⸗ ſelt erſcheinen, weil ſie vielmehr den Eindruck machen, als hätte der ſchöpferiſche Geiſt, der aus ihnen ſpricht, ſie ſelbſt mit künſtleriſcher Genialität aus ſich heraus gebildet. Was der ſchönen Männergeſtalt in den Au⸗ gen einer Modedame vielleicht zum Nachtheil gereichte, war die Unterlaſſung jeglicher Toilettekünſtelei, wie ſie in Baden⸗Baden, dieſem eleganten Rendezvous aller Dandies, faſt unerläßlich iſt. Der überaus einfache graue Anzug hatte zur Rechtfertigung der ſo entſchie⸗ den urtheilenden kleinen Dame in der That etwas Hageſtolzenhaftes an ſich; es war die Kleidung eines Mannes, der, wenn er dem ſchönen Geſchlechte auch nicht geradezu den Rücken kehrte, doch ſicherlich nicht zu gefallen ſuchte, vielleicht nicht einmal Gewicht da⸗ rauf legte, wenn er wirklich gefiel.

Sein Benehmen während der vierzehn Tage ſeines Badeaufenthalts ließ dies mit Grund vermuthen, und ſelbſt in weiteren Kreiſen der kosmopolitiſchen, täglich wechſelnden und doch ſo kleinſtädtiſch neugierigen Ge⸗ ſellſchaft Baden⸗Badens hatte ſich Major Inderau, dem ſchon bei ſeinem erſten Auftreten manch herausfor⸗