Teil eines Werkes 
2. Bd. (1875)
Entstehung
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die kleinen, murmelnden Wellen, die gleichmäßig glitzern und ſprühen, wie Tauſende von Brillanten, auf die weite, glänzende Fläche, auf der ein langer Streif milchweißen Lichtes ausgebreitet liegt in unergründ⸗ licher Tiefe, auf die ernſten, finſtern, mürriſchen Rieſenwächter, die ſchwer auf dem See laſten und ſich immer näher zuſammenſchieben, wie um den Menſchen den Eintritt zu verwehren in ihre ehrwürdige, unbe⸗ zwungene Granitwelt.

Mild und leiſe klingen die ſanften Accorde eines Harmoniums aus dem Saale nebenan und umſtricken mit betäubendem Duft der Muſik die Seele jenes glück⸗ lichen Mannes. Nun fügt ſich eine weiche, reine Stimme der Melodie ein ſchönes, einfaches Lied wie dringt ihm die Stimme in's Herz, ſein junges, geliebtes Weib ſeine Braut iſt's, die im Geſang zu beten ſcheint.

Ein Heer von Gefühlen und Gedanken, von un⸗ erfaßten Bildern ſchwirrt und rauſcht in ihm und ſchwellt ihm Geiſt und Herz, unbegriffen von ihm ſel⸗ ber. Ja, er ſucht es nicht einmal zu begreifen, feſtzu⸗ halten, dieſes Meer von Ideen, von ſüßer Wehmuth und Glückſeligkeit, in das er verſinken und ſich auf⸗ löſen möchte, in Eins mit dem See, dem Mond, den Alpen, der Muſik und ſo vergehen und doch nicht