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den ſchlummernden See zu führen?— Welch ein Hohn! — Dieſer Friede, dieſe Ruhe und Stille in der Natur — welch ein Hohn! Welch eine Lüge!
Vorn an der Spitze ſitzt ein bleiches Mädchen, aber auch dieſe großen dunklen Augen ſind vom Ge⸗ genüber abgewendet, ſtarr und trotzig ſehen ſie hinab in die Fluth, als wollte ihr Blick dem in die Tiefe geſunkenen Bilde der Ufer nachtauchen, an dem der Kahn leiſe vorübertrieb. Von Zeit zu Zeit fährt die eine Hand über die niedere ſchön geformte Stirne und das dunkelblonde weiche Haar, indeß die Linke, des Hand⸗ ſchuhs entkleidet, über den Kahn ins Waſſer hängt, ſodaß die kühlen Wellen zwiſchen den feinen weißen Fingern durchrinnen und ſogar das zarte Spitzenge⸗ webe über dem edel gerundeten Handgelenke netzen.
An dem vierten Finger glänzt ein goldener Reif, die Strahlenbrechung im Waſſer erzeugt eine optiſche Täuſchung: bald iſt's, als ſei die Hand vom Arme getrennt durch einen unerbittlichen Schnitt, bald iſt's, als glitte der Ring von dem wachsgleichen Finger herab, und dann wieder ſaß er um ſo feſter an einer ſtarren eiſig kalten Todtenhand.
Sonderbares Spielen und Aeffen! Und warum ſollte es nicht zur Wahrheit werden? Wenigſtens das Eine— das Leichteſte, das Kürzeſte? Das iſt's, was
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