Teil eines Werkes 
2. Bd. (1875)
Entstehung
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5 gleitet an Schloß Ort vorüber, dem freundlichen Gmun⸗ den zu.

Traumhaft ſüß iſt die Stimmung, die jedes Herz ergreift zu dieſer Stunde, es iſt, als umſpülten es die weichen Wellen ſanft und wohlig, wie ein lindes Bad, aus dem es das endloſe Gefühl reiner Glückſeligkeit trinkt: Alles ſcheint Friede tiefer Friede.

Doch nein, die Stimmung lügt, dort in dem Kahne ſitzen ſich zwei Menſchen gegenüber, in ihrer Bruſt ſtürmt und brandet es mächtig, ſie ſind eben im Begriffe von einander zu gehen zu ſcheiden für immer.

Der Mann am Steuer ſieht empor zu dem hellen blauen Himmel, aber nur das Auge ſchaut die wun⸗ derbare Pracht der hellorangen und violetten Streifen, die ſich gegen den Horizont hin zur dunklen majeſtäti⸗ ſchen Flammenröthe vereinigen und verdichten an die ſchöne Lichterſcheinung knüpfen ſich keine Gedanken, das zeigt der herbe ſcharfe Zug in dem blaſſen, edeln, von dunklem vollen Barte umſchloſſenen Antlitz. Me⸗ chaniſch lenkt ſeine kräftige Hand das Boot. Wohin es treiben mag gleichviel, weiß er ja kaum wohin er ſelber treibt, der Sturm hat ihm das Steuer an ſeinem Lebensſchiffe aus der Hand geriſſen, und dieſe Hand ſoll ſich bemühen, dies zierliche Spielzeug durch