Teil eines Werkes 
2. Bd. (1875)
Entstehung
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abſtürzenden Wände ſchmiegen ſich jetzt ſtill und fried⸗ lich, wie um die Wiege eines ſchlummernden Kindes, deſſen Träume ſie behüten. Eine tiefe wunderbare Ruhe liegt über dem See. Der Dampfer verſchwand ſoeben hinter dem Vorſprunge von Traunkirchen, er kehrt von ſeiner letzten Fahrt für heute heim nach Ebenſee, nur ein leichtes Wölkchen ſchwebt noch an der Stelle, wo das Schiff verſchwunden, leiſe zerflattert es zu einem bläulichen Dufte. Nichts nichts regt ſich mehr. Stille, wie feſtgeankert im See liegt ein kleines zier liches Boot, deſſen brauner blaugeſtreifter Bord ſich kaum abhebt von der dunklen weiten Fläche.

In das harmoniſche Geläute fällt jetzt dreimal wiederholt der wehmüthige Schrei eines Waſſervogels, der raſch und beinahe ohne Flügelſchlag nahe an dem glatten Spiegel hinſchießt und, als folgte es dieſem geheimnißvollen Rufe wie einer Beſchwörung, ſo hebt ſich jetzt ein leiſes Lüftchen, das erſt ſtellenweiſe in langen Streifen, dann aber über die ganze Fläche hin das nachgiebige Element zierlich aufkräuſelt, wie das weiche wellige Haar eines ſchönen Weibes. Jetzt fängt ſich der abendliche Hauch in dem ſchlaff am Maſte herabhängenden Segel, hebt es zwei⸗, dreimal wie im Scherze und bläht es endlich, an dem Spiele Gefallen findend, vollends auf, ſo daß der Kahn leiſe dahin⸗

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