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ken, wenn er ſie mit kühner Hand aus der Gefahr be⸗ freite, in der ſie anfangs vielleicht ahnungslos verweilt, aus deren Umgarnung zu entſchlüpfen ſie ſpäter vielleicht nicht mehr die Kraft gefunden hatte? Wer konnte er⸗ meſſen, welche Kämpfe es der armen Kindesſeele viel⸗ leicht gekoſtet, als die Frage an ſie herangetreten war, zu wählen zwiſchen der unwirthbaren Härte eines Le⸗ bens, wie es ihr von ihrem Schwager geboten wurde, und der verlockenden Ueppigkeit, die ſie bei ihrer Schweſter umgab? Wozu hätte er mit ihr, wie Strei⸗ cher vorſchlug, ein abgeſchmacktes Spiel treiben ſollen, wozu den Widerſtand erneuern? Schwer genug wog es in der Wagſchale für ſie, daß ſie in dem Sumpfe nicht untergegangen war, daß ſie ihre Reinheit flecken⸗ los bewahrt hatte und die Erkenntniß ihrer Umgebung zugleich mit dem willenskräftigen Zurückziehen in eine ſchützende Umwallung verbunden war.
Gerhard gedachte der einfachen, kahlen Dachkam⸗ mer, in der Adrienne mit ihrem kleinen Neffen ſchlief und die Abende verbrachte, an denen ſie inſtinctiv den Salon ihrer Schweſter floh, die ſich gewiß Mühe ge⸗ nug gegeben hatte, das ihr zur Seite ſtehende mah⸗ nende Gewiſſen in eine Gefährtin und Theilnehmerin an dem rauſchenden, betäubenden Genuſſe des Lebens zu verwandeln.


