„Ja, allerdings, anders wäre es“, ſagte Gerhard langſam, als ſie geſchloſſen hatte. Es war ihm ſon⸗ derbar bei der Aufzählung der verſchiedenen Stationen in dieſer ſinnreich ausgearbeiteten Reiſeroute zu Muthe geworden. Das ſollte alſo die Ruhe ſein nach einem bewegten Leben! Wo fand denn in dieſem Wirbel von Zerſtreuungen und raſtloſen Kreuz⸗ und Querfahrten das Glück ein ſtilles Plätzchen, in das es ſich traulich einniſten konnte? Er fragte ſich mit etwas zweideu⸗ tigem Humor, ob er eigentlich Ehemann oder Reiſe⸗ marſchall werden ſolle. Das lebhafte Verlangen nach rauſchendem Vergnügen kam ihm ganz unerwartet bei ſeiner Braut. Er hatte ja früher nur wenig geſpro⸗ chen mit ihr, nun, ſeit die gedrückte, zurückhaltende Stimmung allmälig bei ihr wich und ſie ihrer leb⸗ haften Natur keinen Zwang mehr anthat, ſchien die Wirklichkeit ihm in mancherlei Dingen vom Ideale, das er ſich gebildet, abzuweichen. Er hatte ſchon ver⸗ ſchiedene Lücken in ihrer Bildung bemerkt, die er aber in einem zurückgezogenen Beiſammenſein durch gemein⸗ ſame Studien auszufüllen hoffte. Dazu war nun frei⸗ lich ein Nomadenleben, wie ſie es träumte, nicht ſon⸗ derlich geeignet. Sie ſprach zwar immer wieder von ihrer Unterordnung, zeigte dabei aber doch einen ge⸗ wiſſen zähen Willen, der wirkliche Demuth ausſchloß.
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