203
raſch die Hochzeit erfolgen. Keins der beiden hatte Urſache, dieſelbe hinauszuziehen, und auch Madame de Granier ſchien ſich mit dem Sachbeſtande abge⸗ funden zu haben.
Sie trippelte eben jetzt, nachdem ſie eine Weile am Spieltiſche zugeſehen, ungeduldig auf Gerhard zu. Ihre Toilette wetteiferte mit den eleganteſten der hier verkehrenden Damen, die ſie jedoch weit an Haltung und vornehmer Kälte übertraf.
„Allez donc, mon cher“, rief ſie ihm ſchon auf einige Schritte zu.„Sie dürfen nicht ſpielen, das verſteht ſich— Sie würden keine Chance haben⸗ Aber vertrauen Sie mir Ihr Glück an. Gewinne ich“, ſetzte ſie leiſer und lächelnd hinzu,,„ſo iſt es mein Hochzeitsgeſchenk für Adrienne.,
Gerhard beeilte ſich dem Wunſche zu entſprechen und ſtellte ſeiner zukünftigen Schwägerin eine anſehn⸗ liche Anzahl Goldſtücke zur Verfügung. Sie ſchien zufrieden und war bald mitten im Spiele.
„Und haſt Du nicht auch Luſt, Dein Glück zu ver⸗ ſuchen?“ fragte Gerhard ſeine Braut, mit der er auf einem Sopha in der Nähe eines Fenſters ſaß. „Du wirſt doch nicht eine jener ſorgſamen Hausfrauen ſein, die ihren Mann am Rockſchoß zupfen, wenn er ſich in bedenklich ſcheinende Wagniſſe einläßt?“


