3 ſtand ſich zu, daß bei aller treuen Abſicht doch Täuſchung mit unterlaufen könne, obwohl er dann wieder ein⸗ warf, daß es immerhin zweierlei ſei, einen Un⸗ ſchuldigen zu verdächtigen, um den Freund von einem drohenden Schritte zurückzuhalten, oder um ihn vor der böſen Nachrede der Welt zu warnen. Im letztern Falle war von Schuld oder Unſchuld keine Rede, die Warnung konnte beachtet oder beiſeite geſchoben werden. Im erſtern Falle dagegen wurde Unruhe, ein falſcher Verdacht erweckt, ja es konnte dadurch ein übereilter Entſchluß hervorgerufen werden, unter dem zwei zu leiden gehabt hätten.
Das war Gerhard's Gedankengang und er wünſchte ſich zuletzt Glück, daß nicht ein unglückliches Zuſammen⸗ treffen von Umſtänden, wie dies ja allerdings möglich ſein konnte, Streicher's Behauptungen zu beſtätigen ſchien; wer weiß, ob er dann zur Stunde noch in Montreux geweſen wäre! Sein Leben wäre dann von der Richtung, die es jetzt entſchieden eingeſchlagen hatte, dauernd abgelenkt geblieben, das Glück, das er jetzt mit Sicherheit zu finden hoffte, wie ein äffendes Irrlicht im Sumpfe erloſchen.
Wie er ſo an das ſchöne Mädchen dachte, das an den Geſtaden des Leman wie eine Wunderblume für ihn aufgeblüht, ergriff ihn Sehnſucht, das kleine Haus
1*


