10
klärung, daß man hier keinen Sterbenden, geſchweige denn eine Leiche vor ſich habe, Ermuthigung gefunden haben, oder trieb ihn die lebhafte Theilnahme für das ganz in Schmerz aufgelöſte Weib an, er näherte ſich jetzt ebenfalls dem Bette und rückte mit fauniſchem Schmunzeln ſeine Klemmbrille zurecht, um die nur nachläſſig verhüllten Reize der jungen Frau beſſer mit den lüſternen Augen verſchlingen zu können. Wie be⸗ ruhigend ſtrich er dann leiſe über ihren zwar etwas hagern, aber hübſch geformten Arm, der auf dem ver⸗ ſchobenen Kopfpolſter ruhte.
„Was wird's ſein?“ ſagte er dabei.„Sie müſſen ſich nicht ſo ſehr alteriren, Baronin. Wir bringen ihn ſchon wieder in die Höhe!“
Die Angeſprochene zuckte bei dieſen Worten wie unter der Berührung heftig zuſammen und ſprang zornig auf. Die Farbe war ihr mit einem Male wiedergekehrt.
„Ha! Sie ſind ſchuld an Allem!“ kreiſchte ſie, ohne auf ihre Umgebung zu achten, flammenden Blickes. „Sie allein! Henri iſt gut, aber Sie haben uns ver⸗ folgt. Sie ſind hart, boshaft und unverſchämt. Ich will Sie nicht ſehen— Sie haben Henri getödtet!“
„Was meinen Sie!“ rief der Banquier mit ver⸗ legenem Lächeln, indem er wie zur Abwehr die Hände hob.„Was glauben Sie! Die Sache hat Sie ange⸗


