werde, um das Mädchen nur in Tante Mina's Gegen⸗ wart zu ſprechen, gab ſie nach, wiewohl ſich immer wieder neue Zweifel bei ihr regen wollten.
Doch ließ ihr Ulrich keine Zeit mehr, dieſelben vorzubringen. Er hielt ſie bei ihrer Zuſage feſt und zog ſich eilig zurück.
„Zwei Röslein auf der Haiden, In Liebesſchein, in Sonnenſchein, Die zwei ſoll man nicht ſcheiden“ hatte Tante Lina geſungen, als er das Zimmer ver⸗ ließ, und unwillkürlich waren ihm die Schlußnoten im Gedächtniß geblieben und er ſummte ſie noch vor ſich hin, als er aus dem Hausthore trat: „Zwei Röslein auf der Haiden, Die zwei ſoll man nicht ſcheiden, Die zwei ſoll man nicht ſcheiden.“
„Es kommt nur darauf an, welche zwei?“ ließ ſich plötzlich eine ſpöttiſche Stimme neben ihm ver⸗ nehmen.
Ein Herr war aus dem Nachbarhauſe getreten, eben als Ulrich daran vorüberſchritt, und ſtand nun an deſſen Seite. Die raſch ſinkende Dämmerung ließ die Geſichtszüge kaum mehr unterſcheiden. Ulrich aber erkannte die Stimme als die des an der herzoglichen Hofbühne angeſtellten Kapellmeiſters Seibold, mit dem


