Teil eines Werkes 
1. Bd. (1876)
Entstehung
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ruhig, liebe Tante, ich ſtehe zu der beſagten Dame in gar keiner Beziehung.

In gar keiner? fragte ſie mißtrauiſch.Was ſuchſt Du dann eine Wohnung für ſie?

Ein Dienſt, den ich meinem Freunde erweiſe, deſſen Braut ſie iſt. 3

Und nun erzählte er in allgemeinen Umriſſen den Sachverhalt, doch ohne irgend etwas zu ſagen, was Gundaker oder Judith compromittiren konnte. Soviel mußte genügen, daß die Braut Israelitin ſei und ſich zum Uebertritte in die chriſtliche Kirche vorbereiten wolle, daß ſie ganz zurückgezogen die Zeit zu verbrin gen beabſichtige, die nöthig ſei, alle Angelegen⸗ heiten in Ordnung zu bringen, und daß ſie gerade des⸗ halb unter den Schutz einer würdigen Dame geſtellt werden ſolle, um das Verhältniß vor jeder falſchen Beurtheilung zu ſichern.

Es gelang Ulrich nicht ſo leicht, die Bedenken des alten Fräuleins zu beſiegen, und er mußte ſeine ganze Beredtſamkeit und ein Arſenal von einſchmeichelnden Liebkoſungen aufbieten, um endlich die Erfüllung ſeiner Bitte zugeſagt zu erhalten. Erſt als er nochmals be⸗ theuert, keinen Schritt über die Schwelle zu ſetzen, ſolange Judith im Zimmer ſei, und verſprochen hatte, daß auch der Bräutigam ſeine Beſuche ſo einrichten

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