Teil eines Werkes 
1. Bd. (1876)
Entstehung
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ſchnur zu ihr geflüchtet, der nie die Geduld fehlte, die Knoten zu löſen; auch jetzt galt es ja, ſo eine Ver⸗ wickelung zu löſen, und es mußte ſich wohl in ſeinen Zügen dergleichen ausdrücken.

Es iſt ſchön von Dir, daß Du ſo bald wieder⸗ kommſt, ſagte die Tante lobend.

So bald nennſt Du das? Es ſind doch vierzehn Tage her.

In Deinen Jahren iſt das bald. Da muß man ſchon irgendeine Noth haben. Da ſie aber ſah, wie er ein wenig verlegen ward, beugte ſie ſich gegen die Schweſter.Sieht er nicht prächtig aus? fragte ſie. Die Heimatluft hat ihm gut gethan.

Tante Tina nickte nur und lächelte.

Es jagt ein Jäger wohlgemuth, Er jagt aus friſchem, freiem Muth,

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Unter grünen Linden begann ſie leiſe zu ſingen.

Nun komm' und ſage mir Deine Noth, meinte Tante Mina und führte den jungen Mann nach ihrer Fenſterniſche, wo ſie ihm einen der verſchnörkelten Polſterſtühle zurecht ſchob, ehe ſie ſich ſelber niederließ.

Wahrhaftig, Du ſiehſt einem auf den Grund der Seele, Tantchen, ſagte Ulrich halb lachend, indem er das Gefühl der Beſchämung bekämpfte.Es iſt wirk⸗