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nadeln zwiſchen den Fingern und am Arme den ſchö⸗ nen durchbrochenen Silberkorb mit dem zierlichen Schlöß⸗ chen. Gerade ſo hatte ſie immer dageſeſſen und ſelbſt der Knäuel in dem Silberkörbchen blieb ſich gleich, denn was ſie am Tage abgearbeitet, ebenſo viel wand ſie des Abends wieder auf. Sie that überhaupt manch Wunderliches, ſaß faſt immer an derſelben Stelle und nur zu Zeiten kam eine eigenthümlicher Unruhe über ſie, dann ſprang ſie wohl auf und tanzte, als ob ſie zu einem Balle geladen wäre. Sonſt aber blieb ſie ſanft und ſtill und ſang nur ſo vor ſich hin. Den Kin⸗ dern, die zur Schule kamen, wußte ſie nichts zu zeigen als ihre Strickarbeit, die ſie aber auch, ohne nur da⸗ rauf hinzuſehen, in ſtaunenswerther Weiſe förderte. So harmlos ſie war, ſcheuten ſich die kleinen Kinder doch vor ihr, denn ſie ſprach ſelten und dann meiſt ſelt⸗ ſam abgebrochene Sätze, und die Leute behaupteten, ſie ſei„hinterſinnig“; die Schweſter aber ließ es nicht gelten und ſchob Alles nur auf ihre Taubheit, die das arme Weſen in deſſen eigener Welt iſolire. Eigenthüm⸗ lich war es auch, daß ſie nur die Schweſter vollkom⸗ men gut verſtand, ohne daß dieſe ihre Stimme ſonder⸗ lich zu erheben brauchte.
Ueberhaupt war Tante Mina wie eine Mutter gegen ſie; vielleicht ſchrieb ſich das Verhältniß ſchon


