Teil eines Werkes 
1. Bd. (1876)
Entstehung
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Sollſt ſie haben, Herzenskind! kam ihm ſofort mit dem unverkennbaren Ausdruck freudiger Ueber⸗ raſchung als Antwort zurück. Zugleich erhob ſich die hohe Frauengeſtalt von ihrem Sitze in der Fenſterniſche und kam auf den Eintretenden zu, doch erſt, nachdem ſie der auf dem Sopha ſitzenden und träumeriſch vor ſich hinblickenden Sängerin den Namen Ulrich mit leicht erhobener Stimme ins Ohr gerufen.

Der Geſang verſtummte ſofort, ohne daß die Sän⸗ gerin jedoch aufſtand, ſie nickte nur lebhaft und mit einem kindlich heiteren Lächeln, das dem einſt ſicherlich ſchönen Geſichte noch immer freundlich ließ. Dafür faßte die andere Ulrich's Kopf zwiſchen ihre beiden Hände und küßte ihn, beinahe ſo groß wie er, ohne viel Umſtände auf die Stirn.

Mußt Dir's ſchon gefallen laſſen, ſagte ſie mit tiefer Stimme,wenn's Dir auch von einer Jüngern lieber wäre.

Wo fänd' ich dieſelbe unveränderliche Liebe und Güte? Laß mich nur noch eine Weile Dein treuer Verehrer bleiben, Tante Mina, entgegnete er, umfing ſie mit ſeinem Arm und küßte ſie herzlich auf die zit⸗ ternden alten Lippen.

In ſeiner muntern Stimme hatte ein leiſer Ton der Rührung mitgeklungen, und wie hätte er ſich der