Teil eines Werkes 
1. Bd. (1876)
Entstehung
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Schulzeit ein gar gern geſehener Gaſt bei den alten Da⸗ men. Sie lebten ſtill und eingezogen und hielten eine Arbeitsſchule für kleine Mädchen, damit ſie ihr bischen Einkommen ſo weit vergrößerten, um davon leben zu können, und auf ſie war Ulrich verfallen, als es ſich um eine Unterkunft für Judith handelte und er bald genug einſah, daß er die Aufnahme der Braut ſeines Jugendfreundes am allerwenigſten ſeinen Pflegeeltern zumuthen dürfe, da dies einer Verletzung des von Schwemmerich gegen ſeinen ehemaligen Herrn noch im⸗ mer gewahrten Ergebenheitsverhältniſſes gleichgekom⸗ men wäre, ganz abgeſehen von der Neugierde und Plauderſucht der Mutter, vor und bei welcher kein Geheimniß ſicher war.

Ulrich hatte das Alles überlegt und jetzt auf dem Wege beſtärkte er ſich noch feſter in dem Entſchluſſe, bei Muhme Mina ſein Heil zu verſuchen. Bald ſtand er in einem kleinen Hofe, trat von da, die nur ange⸗ lehnte Thür ſachte aufdrückend, in eine reinliche Küche, welche nur durch ein ganz kleines vergittertes Fenſter Licht erhielt, und ſteckte einen Augenblick ſpäter ſeinen Kopf durch die Thürſpalte in ein ziemlich geräumiges Gemach, aus welchem ihm leiſer Geſang entgegentönte.

Iſt's erlaubt? fragte er.Der kleine Ulrich kommt um Nüſſe betteln.

T.

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