daß nie ein Wort der Unzufriedenheit bei ihnen laut wurde, wie ſchlicht auch die Nahrungsmittel ſein mochten, mit denen ſie den jugendlichen Appetit derſelben be⸗ ſchwichtigte.
Meiſter Euſebius, der alte Freund der fleißigen Großmutter, wohnte jetzt mit ſeiner durchlauchtigen Herr⸗ ſchaft in Raudnitz. Seine alte Mutter war im Herrn entſchlafen und ſtill auf dem kleinen Gottesacker der proteſtantiſchen Gemeinde daſelbſt begraben worden. Die Fürſtin Polixena fragte nicht, ob die Greiſin die Sterbe⸗ ſakramente von dem Hauskaplan empfangen habe, oder ob der Prädikant aus dem nahen Bilin ſie in ihren letzten Augenblicken getröſtet, aber ſie kam ſelbſt, um von der alten Dienerin Abſchied zu nehmen, und betete knieend am offenen Sarge derſelben.
Meiſter Euſebius war aufs tiefſte gerührt von dieſer Frömmigkeit ſeiner katholiſchen Herrin, und es that ſeiner Rührung keinen Eintrag, als ſie ſich von den Knieen erhebend an Stirn und Bruſt bekreuzigte. Seit dem Tode des Paters Fickler herrſchte wieder die freund⸗ lichſte Eintracht zwiſchen der katholiſchen Herrſchaft und ihren proteſtantiſchen Dienern in Raudnitz, und auch an andern Orten in Böhmen, wo das Verhältniß vielleicht ein umgekehrtes war, ſchienen die verſchiedenen Glau⸗ bensparteien in Frieden mit einander zu leben.
Burow, Johannes Kepler. Zweite Abtheilung. III. 2


