Unter den Proteſtanten der böhmiſchen Hauptſtadt
war lauter Jubel, in den ſelbſt viele von der katholiſchen
Partei einſtimmten. Alle erwarteten von dem neuen
Könige, deſſen Krönung man zum dreiundzwanzigſten Mai
vorbereitete, die Erfüllung ihrer Wünſche. 9
Matthias hätte ein Gott ſein müſſen, um dem,
was die Böhmen von ihm erwarteten, Leben geben zu
können. Der nun endlich herangekommene Tag ſeiner
Krönung war für ganz Prag ein Tag des lauteſten Ju⸗
bels. Es war für den entthronten Rudolf vielleicht eine
Kränkung mehr, daß ſein erſter Miniſter, Adam von Dietrichſtein, als Erzbiſchof von Olmütz die Krönung * ſeines hinterliſtigen Bruders im St. Veitsdome über⸗ nehmen mußte, da der Erzbiſchof von Prag ernſt⸗ lich erkrankt und zu jeder kirchlichen Feierlichkeit unfä⸗
hig war.
Der Himmel ſelbſt ſchien das Feſt zu begünſtigen, denn ein Maitag, ſo ſchön, als die Natur ihn dem ge⸗ ſegneten Böhmerlande nur je geſchenkt hat, zog ſtrah⸗ lend über dem hundertthürmigen Prag herauf, als der Krönungszug des Erzherzogs Matthias, der bereits die Krone von Ungarn trug, ſich vom altſtädter Rathhauſe aus in Bewegung ſetzte, um dieſem Prinzen nun auch die Krone Böhmens auf das verrätheriſche Haupt zu ſetzen.
Als die laute, rauſchende Muſik von der Nepo⸗


