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„Laß Apollonia mir ein Glas Wein geben“, ent⸗ gegnete der Gaſt ſich ſammelnd, und als das alte Weib⸗ lein mit demſelben zu ihm trat, fragte er ſehr freund⸗ lich:„Nicht wahr, herzliebe Frau Wellinger, es war doch gut, daß ich Euern Proceß führen konnte?“
„Es war ein Wunder, durch welches Gottes Barm⸗ herzigkeit mich von Folterqualen und Feuertod rettete.“
„Und Ihr könnt jetzt noch Eures Sohnes Haus⸗ halt führen, ſeine Kinder zur Frömmigkeit und Gottes⸗ furcht erziehen, ſein krankes Weib warten und ihn ſelbſt durch Eure treue Mutterliebe in ſeinem neuen Leide tröſten und ſtützen!“
„Unter Gottes Beiſtand!“ entgegnete die Greiſin.
„Legt Eure gemarterten Hände auf mein Haupt“, flüſterte Beſold,„und ſagt: Gott ſegne Euch!“
Sie that es und hauchte dann noch einen leiſen Kuß auf das Haupt ihres Wohlthäters.
Schon am andern Morgen verließ der Oberamts⸗ rath Chriſtoph Beſold Kepler's Haus und das glänzende Prag und kehrte nach Tübingen zurück, ſeinem Freunde verſprechend, ihm bald Nachricht von ſeinen in Schwa⸗ ben lebenden Lieben zugehen laſſen zu wollen. Johannes Kepler aber blieb, unberührt von den ſich jetzt in Prag entwickelnden glänzenden Feſtlichkeiten, arbeitend in ſei⸗ nem ſtillen Hauſe.


