Teil eines Werkes 
3. Bd. (1865)
Entstehung
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Gewiß nicht! entgegnete dieſer.Ich fürchtete da⸗ mals wie jetzt verbotene Forſchungen und hatte, aufrichtig geſagt, in der Prima keine Zeit mehr, daran auch nur zu denken. Ich wollte gut beſtehen im Abgangsexamen, ich wollte um meiner armen Mutter, meines Schweſterchens und hier meiner lieben Apollonia willen recht früh ein glänzendes Kirchenlicht werden, aber eben weil ich wohl nicht aus den rechten Gründen den Weg dazu ſuchte, bin ich nichts Anderes geworden als ein armer Ma⸗ thematikus, der Kalender macht und den Herrn in ſei⸗ nen Werken ſucht. Ich bin nicht weiſe, denn ich bin nicht demüthig genug, meine eigenen Gedanken und ge⸗ ringen Erkenntniſſe denen, die weiſer ſind als ich, unter⸗ zuordnen.

Du haſt die Concordienformel nicht unterſchrie⸗ ben?

Ich konnte es nicht, ohne zu lügen. Ich kann die, welche anders glauben als ich, nicht verfluchen, denn ich habe alle Menſchen als meine Brüder lieb; ich haſſe ſelbſt den Papſt nicht, obſchon er der Antichriſt iſt; ich habe meinen Vetter, den Jeſuiten Johannes Fickler, mit dankbarer Innigkeit geliebt, und es gibt auf dem weiten Erdboden keinen Menſchen, den ich wegen ſeines Glau⸗ bens verdammen könnte; auch Rabbi Löw, der wackere

Jude, iſt mir ein theurer Freund, dem ich mit gerührten Her⸗ 1

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