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Kepler die Freude gehabt, einen ſeiner beiden Schul⸗ und Studiengenoſſen, den liebſten derſelben, Beſold, in ſeinem Hauſe zu empfangen.
Mit welcher tiefgefühlten Dankbarkeit Apollonia den Mann aufnahm, deſſen Freundſchaft für ihren Sohn ſie wahrſcheinlich ihre Rettung von dem Feuertode dankte, i*ſt zu beſchreiben nicht nothwendig; Beſold war im Auf⸗ trag der würtembergiſchen Juriſtenfacultät nach Prag gekommen, um einige Streitigkeiten derſelben mit der prager Univerſität zu beſeitigen, und dies anfangs ſo ſchwierig ſcheinende Geſchäft gelang dem klugen Mann weit raſcher, als er es ſelbſt erwartet und gehofft hatte.
Er hatte ſich dem Leichenzuge, der das Haus ſeines Freundes verließ, aus natürlicher Theilnahme angeſchloſſen, und es konnte wohl nicht fehlen, daß ſich in der Stim⸗ mung, in der der trauernde Vater ſich befand, recht viele ernſte Geſpräche zwiſchen den beiden Jugendgefährten entwickelten.
Beide erinnerten ſich mit herzlicher Freude der zu⸗ ſammen verlebten Knabenzeit, des Aufenthalts in Maul⸗ bronn, der alten Lehrer und ihrer Strenge. Auch ihrer Excurſionen ins Fauſtzimmer gedachten ſie, und mit einem tiefen Seufzer fragte Beſold, ob denn Kepler die nachgelaſſenen Papiere ſeines Freundes Johannes Fickler in ſeinen ſpätern Schuljahren nicht geleſen habe.
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