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Blicke, als wollte er fragen:„Was habt ihr mir jetzt noch mitzutheilen, ihr ſüßen Lichter, in deren Funkeln die Gelehrten meines Kaiſerhofs einſt das ganze Elend meines Lebens laſen?“
So verging dem einſamen Kaiſer Tag für Tag, bis endlich zu Anfang des Monats Mai eine neue De⸗ putation der böhmiſchen Stände um Audienz bei ihm anſuchen ließ.
Adam von Waldſtein, Wenzel von Budova und die Grafen Schlick und Kinsky waren die Vorſtände derſel⸗ ben und der Letztgenannte überreichte knieend mit den Geberden der tiefſten Unterthänigkeit dem Monarchen eine Bittſchrift.
Rudolf öffnete und durchlas dieſelbe und ſein gelb— liches Geſicht färbte ſich mit der Flammenröthe des bit · terſten Zorns. 1
„Und das wagt Ihr mir zu bieten, treuloſe, herz— loſe Böhmen?“ ſchrie er in wilder Aufregung;„mir, der ſchon bei Lebzeiten meines kaiſerlichen Vaters Euer er wählter König war?“
„Ew. Majeſtät haben freiwillig auf die böhmiſche Königskrone Verzicht geleiſtet“, entgegnete Wenzel von Budova mit Würde,„und ſo ſind wir in unſerem Recht, wenn wir die unterthänige Bitte an Ew Gnaden richten uns des Ew. Majeſtät geleiſteten Eides der Treue zu ent⸗
Burow, Johannes Kepler Zweite Abtheilung. II. 13


