Teil eines Werkes 
2. Bd. (1865)
Entstehung
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thümlichen Gebäudes hinanſtieg. Lautes Jauchzen aus tauſend Kehlen ſchallte ihm nach und bewillkommnete ihn jedesmal, wenn er ſeine ſtattliche Geſtalt am Fen⸗ ſter zeigte.

Wir werden ſicher ſchlafen in der Hauptſtadt unſerer treuen Böhmen, ſagte Matthias zu ſeinem Vertrauten Khleſl, als die edlen Herren, die bei ſeinem Empfang ge⸗ genwärtig geweſen, ſich entfernt hatten.

Das dürfen wir hoffen, entgegnete der Cardinal,ja wir dürfen deſſen ſogar ganz gewiß ſein, da zwölfhundert Mann von Ew. Majeſtät kriegsgeübten ungariſchen Trup⸗ pen in Prag ſtehen und die Wachtpoſten hier vor un⸗ ſern Schlafzimmern von dieſen Ew. Majeſtät, die die⸗ ſelben gegen die Türken ſiegreich führte, ganz ergebenen Männern doppelt beſetzt ſind.

Ich verlaſſe mich mehr noch auf die Treue des böh⸗ miſchen Volkes, ſagte Matthias ruhig.

Aber böhmiſche Treue iſt verrufen, wie puniſche es einſt war, meinte Khleſl und ſetzte mit leiſem Tone hinzu: Mein hoher Fürſt, König von Ungarn und jetzt auch wohl bereits König von Böhmen, traut einem Volke nie, das abfallen kann von der Treue gegen Gott! Dieſes Böhmen iſt am früheſten der Herd der Ketzerei geweſen, und was meint Ihr, würden ſie Euch auch Treue bewei⸗ ſen, wenn Ihr wie Euer Bruder Rudolf auf ihr