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Geſchrei nach Religionsfreiheit ihnen keine Antwort gäbet?“
„Aber ich will ihre billigen Wünſche erfüllen und ich werde es“, rief der Erzherzog mit einer gewiſſen Hef⸗ tigkeit.
„Dann werdet Ihr Eurer königlichen Macht die beſte, die natürlichſte ihrer Stützen, die geiſtliche, entziehen. Ein ſtarkes, wohlorganiſirtes Heer kann andern Regenten vielleicht ihre Macht ſichern, nicht denen aber, welche einen Völkerkreis regieren, der, aus einer Menge der ver⸗ ſchiedenſten Nationalitäten beſtehend, nicht einmal durch das lockere Band einer gemeinſamen Sprache verei⸗ nigt iſt. Nur der gemeinſame Glaube kann Eure Völker verbinden, der katholiſche Glaube, deſſen Hei— ligthümer nicht in den Eigenthümlichkeiten eines ein⸗ zelnen Volkes wurzeln. Die lateiniſche Sprache, die ur⸗ alte, in welcher der Apoſtel Paulus an die Römer ſchrieb, iſt diejenige, in der die katholiſchen Prieſter heute noch den Magyaren, den Czechen, den Wenden in den fernen Marken, den Slavoniern, Walachen, den Serben und Krainern den Segen ertheilen und die von allen unverſtandenen Worte ſind und bleiben das Band, das ſie mit ihrem Gott und ihrem Fürſten in feſtem Vereine hält. Glaubensfreiheit, das iſt ein Wort, hinter dem ſich nichts birgt als der natürliche Hang jedes einzelnen


