Teil eines Werkes 
2. Bd. (1865)
Entstehung
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ſeine geiſtliche Würde ihn berechtigte, den hohen Kirchen⸗ fürſten darum nicht weniger ſtattlich repräſentirte, weil er nicht, wie Rudolf's Freund und Miniſter, der Cardinal von Dietrichſtein, aus einer vornehmen Familie ſtammte. Khleſl war der Sohn eines armen Mannes, und nur ſein großer Verſtand und ſeine Gabe, die Zeitumſtände zu nützen, hatten ihm das Vertrauen des ehrbegierigen, regierſüchtigen Fürſten erworben, dem er bei allen ſeinen Plänen eine feſte Stütze geweſen war.

Es möchte ſchwer zu entſcheiden ſein, welcher der beiden Männer, die ſo ſtolz und heiter auf die Volks⸗ menge niederblickten, einen größern Triumph beim lau⸗ ten Zujauchzen derſelben in ſeinem Herzen fühlte, beide aber verſtanden es wohl, ihren Geſichtsausdruck ſo zu beherrſchen, daß er, den beſondern Umſtänden ihres Ein⸗ zugs angemeſſen, nicht den triumphirenden Jubel zeigte, der ſie bewegte.

An der Freitreppe des Rathhauſes ſtanden viele der vornehmſten böhmiſchen Standesherren, beſonders die der pro teſtantiſchen Partei angehörenden, mit ent⸗ blößten Häuptern, und die Federn der Hüte, die ſie in ihren Händen hielten, fegten faſt den Boden, als ſie ſich vor dem Erzherzog verbeugten, der, von Khleſl und dem Grafen Adam von Waldſtein gefolgt, mit raſchem Schritt die wenigen Stufen der Freitreppe des alter⸗