aufſuchen kann, die der Sonne näher und ſchöner ſind als dieſer kleine dunkle Ball, der nur einen armſeligen Mond zum Gefährten auf ſeiner Bahn hat. Was iſt mir Böhmens Krone? O es iſt ein erhabenes, ein bedeutungsvolles Zeichen, daß die Krone des deutſchen Kaiſers ein gekrümmter Nagel vom Kreuze unſeres aller⸗ heiligſten Erlöſers iſt. Es hat mein erhabener Vorfahr, der fünfte Karl, in deſſen Reiche die Sonne nicht unter⸗ ging, alle auf ſeinem Haupte vereinigten Kronen abge⸗ legt am Fuße des Kreuzes und ſein kaiſerliches Leben in der Stille eines Kloſters beſchloſſen. Seid eine glück⸗ liche Gattin, Polixena, und bewahrt in Eurer edlen Seele das Andenken Eures kaiſerlichen Freundes, der in keinem Moment ſeines Lebens der Krone Eures Vater⸗ landes unwürdig war. Ihr aber, Magiſter Kepler, fürchtet nicht, daß Ihr das Brod für Eure Kinder verlieren ſollt, wenn ich dies treuloſe Land, in das ich Euch zog, nun verlaſſen werde. Man ſoll Euch als des Reiches Mathematikus beſolden, und kann ich auch meinem Nach⸗ folger das Intereſſe, die heilige Liebe, die Gott für Wiſ⸗ ſenſchaft und Kunſt in meine Bruſt legte, nicht einhau chen, ſo will ich bei meiner kaiſerlichen Ehre dafür ſor⸗ gen, daß der einzige Gelehrte, der mir treu blieb, als mich Alles verließ, wenigſtens vor Hunger und Elend
geſchützt bleibe.“
177


