Teil eines Werkes 
2. Bd. (1865)
Entstehung
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Das ſieht der erhabenen Frau ähnlich, dem verrathenen und verlaſſenen Kaiſer einen ſichtbaren Beweis ihrer Treue zu geben, und ſie zeigt mir, was zu thun auch meine Pflicht iſt. Ich habe jetzt nicht das Recht, mich der Trauer um mein ſüßes Kind hinzugeben, ich darf mich nicht des Geſprächs mit dem Jugendfreunde getröſten. Ich verlaſſe Dich, Beſold, der Du gerade in einer ſo ſchweren Stunde in mein Haus getreten biſt; bleibe hier bei meiner herzlieben Mutter, bis ich in der Kaiſer⸗ burg mir über meines Fürſten Geſundheitszuſtand und Willensmeinung Belehrung verſchafft habe. Kö⸗ nig Rudolf war mein Wohlthäter, mein Beſchützer, und mein Blut und Leben muß ihm gehören, ſolange er lebt und meine Glaubensgenoſſen nicht verfolgt und angreift.

Der wackere Gelehrte nahm nun auch noch Abſchied von Meiſter Euſebius und befand ſich in wenigen Minu ten vor dem Angeſichte Rudolf's, der ſchon vor längerer Zeit den Befehl gegeben hatte, ſeinen Hofaſtronomen zu jeder Tagesſtunde vor ſich zu laſſen.

Der in den letzten Tagen ſehr gealterte Kaiſer ſaß in einem Lehnſtuhle und ein freundliches Lächeln flog über ſeine matten Züge, als Kepler mit tiefer Ehr⸗ furcht vor ihm niederkniete.

Der junge Fürſt von Lobkowitz ſtand in ſtolzer,

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urow, Johannes Kepler. Zweite Abtheilung. II. 12 Joh 9 8