Teil eines Werkes 
2. Bd. (1865)
Entstehung
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es auch dem Atom Deiner Menſchenſeele möglich macht, zu lieben, fort und fort zu lieben, nicht den Staub Dei nes Kindes, der dort in dem kleinen Sarge alle edlen Wandlungen durchmacht, bis er als die Blüte eines Grashalms wieder zum Sonnenlichte emporblickt, nein, das Ich des kleinen Weſens, das, obſchon unzweifelhaft ein Theil Deines eigenen Ichs, möglicherweiſe doch jetzt ſchon der Erde nicht mehr angehört?

Kepler hatte mit glänzendem Blick auf Apollonia's Worte gehört und ſagte dann, leiſe die kleine, weiche Mutterhand drückend, die matt auf ſeinem Arme lag:

Gott, ja Gott iſt die Liebe, und darum iſt Liebe ein ewiges Geſetz in allen Welten, die durch die unend lichen Räume des Alls ihre ſtillen Bahnen wallen, ſtill für das Ohr des Menſchen auf Erden, harmoniſcher Wohllaut vielleicht für höhere Geiſter, die fähig ſind, denſelben durchs unendliche All ertönen zu hören. Mein Lenchen, mein ſüßes Kind, tönt er Dir vielleicht ſchon als ein: Heilig, heilig, heilig iſt der Herr! entgegen?

Sie waren während dieſes Zwiegeſprächs an Kep⸗ ler's Wohnung angekommen, wo man während des Lei⸗ chenzugs die kranke Barbara unter der Obhut einer barmherzigen Schweſter zurückgelaſſen hatte, denn da⸗ mals ſchon und während aller Religionszwiſte übten dieſe edlen Jungfrauen ihre Chriſtenpflichten ohne Rück⸗