Teil eines Werkes 
2. Bd. (1865)
Entstehung
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Menge, man ſchien ein großes Freudenfeſt zu feiern, und es machte einen eigenthümlich düſtern Eindruck, als etwa in der zehnten Stunde des Vormittags ein Leichenzug ſich ſtill und ohne fahnentragende Prieſter und Weih⸗ rauchfäſſer ſchwingende Chorknaben langſam zwiſchen der fröhlichen Menge dahinbewegte. Der Sarg von Eichenholz, ohne glänzende Schilder und bunte Dra⸗ perien, verſchwand faſt unter den Kränzen von Veil⸗ chen, Immergrün und den zarten Blümchen, die man im deutſchen Norden Schneeglöckchen nennt. Vier Männer in der ernſten Tracht proteſtantiſcher Leichenträger trugen die kleine Bahre, welcher Johannes Kepler, ſeinen Lud wig an der Hand führend, zunächſt folgte. Meiſter Euſe⸗ bius, der proteſtantiſche Diener Polixena's, mit ſeinem kräftigen Arme die blaſſe Großmutter ſtützend, ging dicht hinter ihm, und ein ſchlanker Mann in des Gelehrten Alter, deſſen braune Haare aber an den Schläfen ſich ſchon leicht mit Grau zu färben begannen, machte mit Mar⸗ garethe Kepler den Beſchluß des kleinen Zugs, dem die freu dig aufgeregte Menge, mit der natürlichen Ehrfurcht vor dem ernſten Schauſpiele des Todes die Hüte ziehend, Raum gab.

Kepler's Augen waren vom Weinen matt und doch lag in denſelben ein Ausdruck, den man faſt hätte freu⸗ dig nennen können.