Teil eines Werkes 
2. Bd. (1865)
Entstehung
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Säle des Hradſchin, wo der ſo wenig zugängliche Kai ſer ſeine Audienzen zu ertheilen pflegte. Jetzt freilich, nach dem Sturze des verrufenen Philipp Lang, war es we⸗ nigſtens nicht mehr für die edlen und vornehmen Herren Böhmens unmöglich, vor das Auge ihres Monarchen zu gelangen, ohne dem Drachen, der ihn bewachte, die un⸗ geheuerſten Geldopfer zu bringen. Nur die Furcht vor dem Mörderdolche ſeines Bruders Matthias, von den Aſtrologen immer noch genährt, war es, die trennend zwiſchen dem Volke und ſeinem Fürſten lag, aber dieſe Furcht war zur Zeit ganz beſonders mächtig in Ru dolf's verdüſterter Seele, da er wußte, daß Matthias mit ſeinem in Ungarn ſtationirten Heere ſich auf dem Wege nach Prag befand, um auf Erſuchen der böhmi⸗ ſchen Stände die Hauptſtadt vor dem Andringen des verruchten und ſo ſehr gefürchteten paſſauer Kriegsvolks zu ſchützen.

Als die beiden gelehrten Jeſuiten das keaiſerliche Gemach betraten, ſaß Rudolf in dem hohen Bogenfenſter deſſelben und ſchaute hinab auf das ſich zu ſeinen Füßen in aller Herrlichkeit eines Wintermorgens ausbreitende Prag; ſein Blick war trübe und um ſeine Lippen ſchwebte jener traurige Zug der bitterſten Unzufriedenheit, den die Nachwelt noch jetzt auf jedem Bilde des unglücklichen Fürſten bemerken kann.