Teil eines Werkes 
1. Bd. (1865)
Entstehung
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Anſchuldigung eines Verbrechens iſt, deſto leichter iſt der Pöbel geneigt, auf die Wahrheit deſſelben zu ſchwören. Glaubt mir, mein theurer junger Freund, Eure Mutter ſchwebt in einer weit größern Gefahr, als nur in der, ihren rechtlichen Namen durch üble Nachrede zu verlieren. Schützt ſie ſobald als möglich und thunlich vor dieſer; ſie iſt alt, hülflos und wunderlich, ihr Loos kann ein ſchauderhaftes werden, und ſie iſt ſchwerlich den gräß⸗ lichen Conſequenzen einer Anklage, wie ſie über ihrem Haupte ſchwebt, ſo gewachſen, wie es Apollonia Wel⸗ linger war, die wackere Frau, die jetzt unter dem erhabenen Schutze der edlen Gräfin von Roſenberg ſteht.

Ich hoffe aber doch mit Zuverſicht, ſagte Kepler, daß ſie, bevor man ſie des Verbrechens anklagt, deſſen man ſie jetzt verleumderiſch beſchuldigt, Schutz und Zu⸗ flucht bei ihren Kindern ſuchen wird. Ihr Schwiegerſohn iſt ein Prediger des gereinigten Evangeliums, und meine Stellung hier am Hofe meines Kaiſers iſt auch wohl von der Art, daß meine Mutter an meiner Seite vollkommen Schutz gegen den verleumderiſchen Wahn⸗ ſinn in ihrer Heimat finden wird.

Der Herr, der Gott Iſraels, ſei ihr und Euer Beiſtand, mein theurer Freund, ſagte Rabbi Löw.Jetzt aber führt mich zunächſt an das Lager Eures kranken