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Töchterleins, damit ich ſehe, wodurch die Leiden der Kleinen gelindert werden möchten.“
Das Magdalenlein ſchlief jenen feſten, bewußtloſen Schlaf, wie ihn die Natur ſchwer fiebernden Kindern ſo oft verleiht. Das Kind war ſterbenskrank, doch fühlte es ſeine Leiden nicht eigentlich.
Großmutter Appollonia war ſeit der frühen Mor⸗ genſtunde bei ihr und hatte darauf geſehen, daß auch Barbara ſich wieder niedergelegt hatte, um der Ruhe zu pflegen, die ihr ſehr nöthig ſchien. Der gelehrte Jude fand dieſe Anordnung vortrefflich, verordnete küh⸗ lendes Getränk für Mutter und Kind, empfahl Kepler, ſich durch Speiſe und ein gutes Glas Wein zu ſtärken, und bat Apollonia, das Haus der Krankheit nicht eher zu verlaſſen, als bis er wieder vorgeſprochen und neue Ver ordnungen getroffen haben würde. Johannes küßte mit zitternden Lippen die glühenden Stirnen von Weib und Kind und zog ſich dann in ſein ſtilles Arbeitszimmer zurück, den Ort, wo ihm, was auch immer ſein Herz bedrücken mochte, ſtets wieder Friede und Freudig keit wurde bei ſeinen edlen und erhabenen Arbeiten.
Ende des erſten Bandes
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