Teil eines Werkes 
1. Bd. (1865)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

186

Und welche Nachrichten habt Ihr aus Schwaben von Euren Verwandten, Mutter und Geſchwiſtern in Eurer lieben, herzigen Heimat?

Wie ein Träumender fuhr der Gelehrte bei dieſer Frage ſeines alten Freundes empor, und indem er ſich bemühte, ſie mit Umſicht und Aufrichtigkeit zu beant⸗ worten, fühlte ſein Herz die Erleichterung von einer ſei⸗ ner ſchwerſten Sorgen und Qualen.

Niemand als dem Juden, dem würdigen, treffli⸗ chen Freunde, hätte er die ſchrecklichen Verhältniſſe aus⸗ einanderſetzen können, die von dieſer Seite her ſein Herz beſchwerten.

Ihm, der als Jude die Vorurtheile und den craſſen Aberglauben ſeines Zeitalters nur zu genau kannte, durfte er es nicht erklären, warum und auf welche Weiſe alle dieſe Anfechtungen über die arme alte Frau gekom⸗ men waren, deren raſtloſer Geiſt und liebebedürftiges Herz durch Mangel an Erziehung und Leitung in ge⸗ wiſſer Weiſe verwildert waren.

Armer Mann, ſagte der gelehrte Jude mit herz⸗ lichem Mitleid,ſo habt auch Ihr mit den Eurigen zu leiden von dem Geiſte des Aberglaubens und der Un⸗ duldſamkeit dieſer traurigen Zeiten. Was aber habt Ihr gethan, um Eurer geängſtigten Mutter beizuſtehen? Was zur Rettung ihrer Ehre nothwendig, ja un⸗