Teil eines Werkes 
1. Bd. (1865)
Entstehung
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auch ihre tägliche Form verſchieden ſein mag, doch ſtets einen gleichen Flächeninhalt haben. O es iſt etwas gar Schönes um die Mathematik! Meine Frauenzimmer haben ſich wie Kinder gefreut, als ich ihnen das Alles begreiflich machte. Ich will's auch Eurer ſchönen Frau, wenn Ihr wollt, heute noch zeigen, wenn ſie, wie die meine, ei⸗ niges Vergnügen am Nachdenken und Beobachten findet.

Kepler ſchwieg. Ihm war zu Muthe, als hätte er ſich gröblich verſündigt an der edlen Frau, deren heller Verſtand ſie der warmen Theilnahme an den großen Problemen ſeiner Wiſſenſchaft ebenſo fähig machte, als die alte Gattin und die ſchöne, jugendliche Tochter ſeines jüdiſchen Freundes.

Auch ihr that ich Unrecht, ſchweres Unrecht, ſagte er beinahe laut; ſein erwachtes Pflichtgefühl ſetzte aber entſchieden hinzu, daß er dieſes Unrecht ihr niemals ausſprechen oder abbitten dürfe.Denn ich will meinem Weibe gegenüber, das durch mich ſchon ſo viel gelitten hat, auf der Bahn des Rechts und der Rechtſchaffenheit bleiben. Ich habe keine Verpflichtungen gegen die Freun⸗ din Kaiſer Rudolf's, die vornehme Gräfin von Roſen⸗ berg, tauſend heilige Pflichten aber gegen mein mir vertrauendes Weib, die Mutter meiner Kinder, und ich will unter Gottes Beiſtand das Gebot halten, das mir be⸗ fiehlt, mein Weib zu ehren und zu lieben.