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hohe, von jüdiſchen Familien bewohnte Häuſer ihn um⸗ gaben. Der Gelehrte trat in die niedrige Pforte und befand ſich einſam in früher Wegesſtunde auf Beth Chaim, dem alten Gottesacker der prager Judenſchaft. Die niedrigen Eibenbäume ſtreckten ihre wie Wurzeln ausſehenden Zweige noch kahl in die trübe winterliche Luft, aber die ſchwärzlichen Knospen an ihren Spitzen waren ſchon geſchwellt von dem Safte, den der nahende Lenz geheimnißvoll zu ihnen emportrieb. Kepler ging mit ernſtem Schritte den Gang hinauf, an deſſen Ende ſpäter der wackere Mann begraben ſein wollte, deſſen Beiſtand und Hülfe er jetzt in Anſpruch zu nehmen kam.
„Heimat der Fremden! Ruheſtätte der Gehetzten und Verfolgten!“ dachte er und betrachtete mit tiefem Intereſſe die hebräiſchen Inſchriften auf den weißen Steinen, von denen mehr als eine damals ſchon den Beſchauer in längſt verfloſſene Jahrhunderte zurückführte. „Da ruht ihr nun alle, friedlich und ohne Harm, die ihr doch gelitten habt, ſo ſchwer, ſo ſchmerzlich wie ich, ja wahrſcheinlich ſchwerer noch und ſchmerzlicher, denn in eurer Seele war nicht der ſüße, milde Troſt des Chriſtenthums, die ſelige, heilige Gewißheit, daß das Blut des Erlöſers für euch vergoſſen ward. Fandet ihr auch ohne dieſe, die jetzt ſo beruhigend in meiner


