Teil eines Werkes 
1. Bd. (1865)
Entstehung
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arme Mutter! Euer Beiſpiel ſoll meinem Leben zur Lehre dienen; ich will lieben, wo Gott es gebietet, denn jedes Gottesgebot muß für die Menſchenſeele zu er⸗ füllen möglich ſein. Es iſt der erhabene Vorzug des freien Menſchenwillens vor der Natur, daß er ſein Wollen mit Bewußtſein vereinen muß, mit Gottes Willen, der fich ihm in den Moralgeſetzen ausſpricht, während die Na⸗ tur ohne Willensanſtrengung im größten Weltkörper und im kleinſten Stäubchen einer Blüte den Geſetzen folgen muß, die ſie in ihren Bahnen erhalten. Die Erde kann nicht aus ihrer Bahn um die Sonne weichen, kann nicht den Mond loslaſſen von dem Bande, das ihn an ſie knüpft. Mich hält keine phyſiſche Macht in den Ban den des Geſetzes, aber ich erkenne es als Gottes Wil⸗ len und werde es erfüllen, weil ich ein Menſch bin, nach Gottes Bilde erſchaffen und durch Chriſti Blut er⸗ löſt. Die Neigung zum Böſen, wie ſie ſich auch ver⸗ hüllen möge in den Dunſtſchleier zärtlicher und vereh⸗ render Gefühle gegen ein anderes Menſchweſen, iſt Teu⸗ felswerk, und ich will und werde ihr widerſtehen. Unter dieſen Gedanken war Johannes Kepler in die Nähe der Behauſung ſeines würdigen Gaſtfreundes gekommen und ſtand an dem Pförtchen des Platzes, der ſchon damals durch hohes Alter ehrwürdig und ſeltſam,

einſam und abgeſchieden war, obgleich von allen Seiten Burow, Johannes Kepler. Zweite Abtheilung. I. 12