Teil eines Werkes 
1. Bd. (1865)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

175

Sorgen meines Lebens, alle irdiſchen Gefühle meines Männerherzens, jede Wallung meines Blutes ſoll mei nen Kindern gehören und deren ſchöner, liebevoller Mutter, und ſelbſt bei den Beſtrebungen und Erfolgen in meiner erhabenen Wiſſenſchaft will ich mich bemühen, es nie aus den Augen zu laſſen, daß ſie nicht nur die volle Glück⸗ ſeligkeit meines Geiſtes, ſondern auch das Mittel ſein muß, meinen Kindern und meinem Weibe das tägliche Brod und jede ihnen erwünſchte Lebensfreude zu errin⸗ gen und zu ſichern.

Barbara hatte ſich, während dieſe Gedanken das Herz ihres Gatten erfüllten, wie ein Kind in ſeinen Armen in den Schlaf geweint und er ſuchte ſie auf die Kiſſen niederzulegen, ohne den Schlummer von ihren Wimpern zu ſcheuchen.Schlaf wohl und träume ſüß, dachte der Gatte, als ihm das gelungen war,ich will, während ich unſer krankes Kind bewache, keinem Gedan⸗ ken an Irdiſches mehr Raum geben, ſondern nur mich beſchäftigen mit den ewigen Bahnen der ewigen Sterne, die der Erde ſo fern, von ihr nach menſchlicher Erkennt⸗ niß ſo unendlich verſchieden und doch ihre Geſchwiſter im unermeßlichen Weltraume ſind.

Als nach dieſer Nacht der Morgen des winter⸗ lichen Tages dämmerte, war es Kepler's erſte Sorge, nach dem Ghetto zu eilen und Rabbi Löw's Hülfe für