174
ſich bei dieſen Worten ſeines ſchlichten Weibes ein tie⸗ fes Gefühl des Mitleids mit ihr und der Scham vor den ihr ſo unbekannten Empfindungen ſeines eigenen Her⸗ zens. Es war ihm nicht möglich, die aufrichtigen Liebko⸗ ſungen Barbara's zu erwidern.„Beruhige Dich, mein Weib, Du biſt krank“, war Alles, was er ihr zuflüſtern konnte. Er hätte einen Tropfen ſeines heißeſten Herzblutes darum gegeben, wenn er ihr, ihr ſelbſt, der Betheiligten, hätte geſtehen dürfen, daß falſche Regungen faſt von Beginn ihrer Ehe ſich in ihm geregt hätten, daß ſie, ſein Weib, die Mutter ſeiner Kinder, nicht einen Moment lang das Ideal ſeines Lebens geweſen und daß er das nicht wie eine Schuld der Fehler ihres Charakters, ſondern wie ein Vergehen, von ſeinem eigenen Willen bedingt, mit Reue und Schmerz fühle. Wohl wußte er, daß ſeiner Frau gegenüber er ſich eine ſolche Herzenserleichterung nicht geſtatten dürfe, und Alles, was er zur eigenen Be⸗ friedigung thun konnte, beſtand darin, daß er ſich das Gelübde leiſtete, in jedem Moment ſeines künftigen Le⸗ bens auf ſeiner Hut zu ſein, daß nie eine Gefühlsver⸗ irrung mehr, welcher Art ſie auch ſein möge, in ſeinem Herzen Platz finde.
„Kein irdiſches Weib kann Gegenſtand meiner Liebe ſein“, ſagte er ſich ſelbſt,„nur mit der göttlichen Urania ſoll die Mutter meiner Kinder mein Herz theilen. Alle


