Teil eines Werkes 
1. Bd. (1865)
Entstehung
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lübde geleiſtet hatte, dem Weibe, welchem er Treue gelobt, nicht nur die freundlichſte Nachſicht zu gewähren, ſondern auch jeden ohne Heuchelei möglichen Liebesbeweis zu geben.

Jetzt iſt die Zeit, dies Gelübde zu halten, flü ſterte die Stimme ſeines edlen Herzens ihm zu.

Komm, Barbara, mein liebes, müdes Weib, ſagte er, und ſeine Stimme war ſo mild und zärtlich, daß ſie wie Sonnenlicht in das Herz der Hörerin fiel,lege Dich jetzt nieder, hier, wo ich auch Deinen Schlaf neben dem unſeres kranken Kindes bewachen kann. Morgen mit dem Früheſten gehe ich hinab in den Ghetto zu Rabbi Löw und bringe ihn hierher, daß er unſerer Magdalene ſeine ärztliche Hülfe ſpende. Er hatte bei dieſen Worten ſie zärtlich auf die weiße Stirne geküßt, und als er ſich von ihr abwenden wollte, um an das Bett des Kindes zu gehen, fühlte er, daß ſie ſchluch⸗ zend die Arme um ſeine Schultern ſchlang und, ſein Haupt zu ihren Lippen niederziehend, ſeine Augen zärtlich küßte.Was haſt Du? Warum weinſt Du, mein liebes Weib? fragte er mit der ganzen zarten Milde ſeines Weſens.

O Johannes, mein herzlieber Mann, ich habe nur das Eine, aber das iſt mir ſchwerer als alles Andere, die Gewißheit, daß ich Deiner nicht werth bin, und daß ich dies auch nie geweſen bin, noch werden