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ihrer Vorzüge in jedem Augenblick voll bewußt und bereit ſind, ſie ihren Umgebungen als Verdienſte vorzu⸗ zählen. Sie war in der That eine ſparſame, thätige Haus⸗ frau; ſie war ſehr hübſch, aus guter Familie und ſelbſt jetzt nach vielen Verluſten, die ſie in Steiermark erlitten, nicht ohne Vermögen. Wenn ſie aber dieſes Alles ihrem ſtets liebreichen Gatten als ihr großes Verdienſt auf⸗ zählte, ſo unterließ ſie andererſeits nicht, ihm die Un⸗ glücksfälle, welche ſie betroffen, das unregelmäßige Ein⸗ gehen ſeiner Einkünfte, die häufige Kränklichkeit der Kinder, ja ſelbſt die ängſtliche und unruhvolle Zeit, in der ſie lebten, als Folgen ſeiner Fehler vorzurechnen.
Kepler war an dieſe ſonderbare, wenngleich nicht eben ſeltene Art ſeiner Frau ſchon gewöhnt und die unverwüſtliche Freundlichkeit und milde Ruhe, die er ihr entgegenſetzte, hatten ihren Grund erſtlich in der tiefen, faſt unerſchöpfli⸗ chen Güte ſeines Charakters, dann aber auch in dem ihm ſtets gegenwärtigen Bewußtſein, daß er die Mutter ſeiner Kinder wirklich nicht ſo liebte, wie er nach ſeiner Anſicht von den Pflichten der Ehe ſie hätte lieben ſollen und können, wenn ſie eben anders oder, wie er ſich ſcham⸗ voll anklagte, eine Andere geweſen wäre.
Es waren noch nicht viele Stunden verfloſſen, ſeit er dieſe Andere auch als ein Weib mit weiblichen Feh⸗ lern und Schwächen erkannt und ſich ſelbſt das ſtille Ge⸗


