Teil eines Werkes 
1. Bd. (1865)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

165

Tycho de Brahe einſt als kaiſerliches Geſchenk beſeſſen hatte. Nur aus einem der niedern Fenſter, aus dem des Schlafzimmers ſeiner lieben Kinder, blickte Licht in die dunkle Gaſſe hinaus, aber auch das war für den heim⸗ kehrenden Hausvater eine ungewohnte Erſcheinung. Sonſt lag um dieſe Zeit Alles im tiefen Schlafe. Wenn er leiſe den Bart ſeines Schlüſſels in das Schlüſſelloch ſteckte, hörte ihn Niemand, und er ging auf ſein Zimmer, ohne zu ſtören oder geſtört zu werden. Kepler war abends von Hauſe oft abweſend, nicht eben in Geſellſchaft, denn er beſuchte keine andere als die der Gräfin von Roſenberg, doch war er bisweilen auf des Kaiſers ausdrücklichen Befehl bei Rudolf's aſtrologiſchen Forſchungen anweſend und arbeitete zu andern Zeiten auf Tycho's Sternwarte, wo er die ſchönen, von dieſem Gelehrten nachgelaſſenen Inſtrumente allein anzuwenden das Recht hatte und auch deſſen ſonſtigen gelehrten Nachlaß benutzen durfte. Es war das für ihn von großem Nutzen, hatte ihm aber auch viele Kämpfe und Streitigkeiten mit Tycho's unge lehrten und ungroßmüthigen Erben gekoſtet. Der ſtre⸗ benden Seele des unermüdlichen Forſchers war jedoch nichts zu ſchwer, wo es galt, die heiligen Räthſel im Buche der Natur zu entziffern, und ſelbſt die Demüthigungen der ſtolzen Nachkommenſchaft ſeines ſtolzen Vorgängers nahm er ohne Zorn und Empfindlichkeit hin, nur eins