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haſt. Du ſchwurſt ihr vor dem Altare, ſie zu lieben in böſen und guten, in geſunden und kranken Tagen, und biſt als Chriſt dieſen Schwur zu halten verpflichtet.“
„Aber, Mutter“, ſagte der Gelehrte, der ſich bei dieſer Unterredung auf den Boden neben der Matrone hingelegt und, den Kopf auf ihr Knie ſtützend, eine Stel⸗ lung eingenommen hatte, wie ſie der Knabe Johannes einſt ſo gern neben der jugendlichen Frau ſuchte,„aber, herzliebe Mutter, die Gefühle eines Menſchenherzens ſind wie Welle und Wind; wir können ſie nicht ändern nach unſerem Vorſatze.“
„Meinſt Du?“ fragte die alte Frau.„Dann iſt alſo auch das Gebot des Erlöſers, das große Gebot, das die Chriſten aller Confeſſionen für das höchſte des Chriſten⸗ thums halten: Liebet Eure Feinde, ein widerſinniges.“
„Fern ſei es von mir, einen ſolchen Gedanken in meiner Seele aufkommen zu laſſen, aber die heilige Schrift gibt auch die Erklärung für die Möglichkeit der Erfül⸗ lung dieſes Gebotes, indem ſie in der nächſten Zeile hinzuſetzt: Segnet, die Euch fluchen, bittet für die, ſo Euch beleidigen und verfolgen! Das ſind Handlungen, die von uns gefordert werden; wir können ſie ausführen, während unſer Herz ſich in dem Schmerze und der Bit⸗ terkeit des Haſſes krümmt. Das Gefühl der Liebe aber, das wie der warme Südwind das Eis ſchmilzt und alle


