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„Lerne Deine Frau richtig beurtheilen und Du wirſt bei den meiſten Fehlgriffen, die ſie ſich zu Schul⸗ den kommen läßt, weil ſie noch nicht verſteht, die Re⸗ gungen eines jugendlich heftigen Temperaments zu zü⸗ geln, einen Grund finden, den Du ſtets dankbar anzuer⸗ kennen verpflichtet biſt, ihre tiefe Liebe zu Dir und die hohe Verehrung, die Dein Charakter und Deine Gelehr⸗ ſamkeit ihr eingeflößt haben.“
„Mutter“, entgegnete Kepler, ihre Hand ergreifend, die auf der Lehne des Stuhles ruhte, der ſonſt dem arbeitenden Gelehrten zum Sitz zu dienen pflegte,„herz⸗ liebe Mutter, laß mich das größte Weh meines Lebens in Dein treues Herz ausſchütten und verkenne mich nicht, wenn daſſelbe ein Schuldbekenntniß iſt.“
Die Mutterhand ſtrich über die reichen Locken des jungen Mannes, ſo weich und liebevoll wie vor Jahren über die des Knaben. Dennoch ſagte Apollonia mit Nachdruck:„Sprich nicht, mein Sohn! Reden iſt bisweilen Silber, Schwei⸗ gen immer Gold. Es taugt niemals, wenn eine dritte Perſon, und wäre ſie auch wirklich eine Mutter, zu ge⸗ naue Einſicht in die Verhältniſſe eines Ehepaares hat. Glaube mir aber, was ich Dir ſage: Barbara liebt Dich gar herzlich und Du haſt Dir dieſe Liebe erworben. Halte feſt, halte fort und fort feſt in dem, was Du Deinem Weibe gegenüber fuͤr Deine Pllicht erkannt


