Teil eines Werkes 
1. Bd. (1865)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

d 8*

tern bebte, wendete ihre ſanften Augen auf Barbara und ſagte ohne Zorn und Stolz:„Ich denke, geehrte Frau von Kepler, daß Ihr es nicht mehr für zudringliche An— maßung halten werdet, wenn ich Euern Mann, der mich ſo liebevoll Mutter heißt, auch Sohn nenne; daß ich ihn als meinen Sohn liebe, kann Euch nicht kränken und verdrießen, und ich hoffe zu Gott, daß es meinem aufrichti⸗ gen Bemühen, mir Eure Freundſchaft und Achtung zu er— werben, mit der Zeit gelingen wird, daß Ihr mich wie eine Tochter ihre Mutter liebt und mir ſelbſt das Recht geben werdet, Euch Tochter zu nennen. Laßt Euch jetzt von Eurem Ludwig erzählen, welche Ehre des Kaiſers Majeſtät dem Sohne ſeines Vaters erwieſen, obſchon die alte ſchwäbiſche Bürgerfrau von dem Kinde in Gegenwart des hohen Herrn fort und fort Großmutter Loni genannt wurde.“

„Du haſt den Kaiſer geſehen, Ludwig 2“ fragte Bar⸗ bara, deren natürliche Herzensgüte ſie befähigte, die edle Freundlichkeit, die in Apollonia's Worten lag, zu erken⸗ nen und die ſich bei derſelben der eigenen Heftigkeit von Herzen zu ſchämen begann.

Apollonia, die ein ungeſchultes Frauenherz erkennen und mit Milde zu beurtheilen verſtand, ſagte, bevor ſie zu Polixenens Palaſt zurückkehrte, zu ihrem Johannes, in deſſen Arbeitsſtube ſie eine Viertelſtunde geſeſſen hatte: