Teil eines Werkes 
1. Bd. (1865)
Entstehung
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„Gut“, ſagte Rudolf gnädig,„thut Eure Pflicht, Magiſter Johannes Kepler, und vollendet jetzt mit Eifer die Pruteniſchen Tafeln, welche das Einfallen des heili— gen Oſterfeſtes berechnen und feſtſtellen. Wir hoffen, daß endlich dieſe zähen und eigenſinnigen proteſtantiſchen Prä⸗ dicanten auch aufhören werden, ſich der Einführung un⸗ ſeres Kalenders zu widerſetzen; nur ihrer großen Unver⸗ nunft iſt ein ſolches Verfahren möglich, aber die Zeit wird kommen, wo die heilige Kirche wieder in deut⸗ ſchen Landen allein herrſcht, und mit ihr wird der Trotz gegen die Wahrheit und den Willen des Kaiſers aufhö⸗ ren. Derjenige meiner Nachfolger, der dieſe hartköpfi⸗ gen, eigenwilligen Deutſchen endlich in Wahrheit und Vernunft einig macht, wird wirklich? Herr ſein in Europa.“

Johannes Kepler blickte bei dieſen Worten des Kaiſers in Polixenens ſchönes Angeſicht, das, von einem leuchten⸗ den Lächeln übergoſſen, liebevolle Uebereinſtimmung mit ihrem kaiſerlichen Verehrer auszudrücken ſchien. Dem armen Mathematiker war's im Herzen wund und wehe, aber die raſche Annäherung ſeines freundlichen Knaben, der heiter zu ihm ſagte:„Nun aber komm, lieb Väterle, komm und bringe der Mutter die Nachricht, daß Du nun gewiß und wahrhaftig in Herrn Tycho's Poſten getreten biſt“, rief ihn aus in ſchmerzhaften Träumen wach.

Ehrerbietig für ihre Vermittlung dankend, empfahl