Teil eines Werkes 
1. Bd. (1865)
Entstehung
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er ahnend glaubte, erhaben wußte. Zwar war es der Kai⸗ ſer, der Herr der Chriſtenheit, aber es war doch ein Mann, und der jugendliche Gelehrte fühlte heißen Schmerz ſein Ich durchzucken bei der ſich ihm aufdrängenden Ueberzeugung, daß die erhabene Frau vielleicht die ein zige auf Erden ſei, die das Herz Rudolf's von Habs⸗ burg voll beglücken und mit Weisheit zum Guten len⸗ ken könne.

Eiſige Schweißtropfen ſammelten ſich auf Kepler's wachsbleicher Stirn, aber während ſein Mannesherz zuckend blutete, erkämpfte die Liebe zur Wahrheit und Gerechtig⸗ keit in ihm ihren ſchönſten Sieg.

Majeſtät, ſagte er mit Feſtigkeit und Milde, dem Kaiſer einen Schritt näher tretend,mein erhabener und gütiger Herr, geſtattet dem geringſten Eurer Die⸗ ner, Euch einen Irrthum zu nehmen, der als ein weſent liches Hinderniß Eurem Glücke entgegenſteht.

Der Kaiſer blickte mit tiefernſten Augen in Kepler's Geſicht, und dieſer, keine weitere Aufforderung zum Spre chen erwartend, ſagte feſt:

Ihr geſtattet, hoher Herr, den Weiſſagungen Eurer Aſtrologen einen Einfluß auf Eure Entſchlüſſe, den Jeder, der Euch wahrhaft treu liebt, wohl einen unglücklichen nennen muß. Welchen Einfluß auch die himmliſchen Heerſchaaren auf Leben und Gedeihen der Erde haben