Teil eines Werkes 
1. Bd. (1865)
Entstehung
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er mit einer demüthigen Haltung, die er ſonſt dem Ge⸗ lehrten gegenüber keineswegs gezeigt hatte,aber ich ſtöre Eure weiſen Betrachtungen nur auf Befehl Sr. Majeſtät. Der Kaiſer erwartet Euch im großen Antikenſaale, und in ſeiner Geſellſchaft findet Ihr dort auch die Frau Obriſt⸗ burggräfin.

Ueber Kepler's Geſicht, das immer noch trotz ſeiner vielfachen Sorgen und ſeiner großen Gelehrſamkeit einen eigenthümlichen Ausdruck heiterer Jugendlichkeit beſaß, flog bei dieſen Worten eine ſchnelle Röthe, wie ſie ſonſt nur gewöhnlich bei jungen Mädchen vorzukommen pflegt.

Meint Ihr, Herr Lang, fragte er mit merklich bewegter Stimme,daß Se. Majeſtät meine Anweſen⸗ heit im Antikenſaale befohlen?

Ich bin von dort zu Euch geſendet und muß es als einen ganz beſonders glücklichen Zufall erachten, daß ich Euch hier treffe und nicht erſt in Eurer Wohnung aufſuchen darf.

Mein Hierſein iſt wohl kein Zufall, entgegnete der ſtets aufrichtige Schwabe,wenngleich ich kaum erwartete, daß der Kaiſer mich ſo raſch ſchon vor ſich be⸗ rufen würde; ſeid ſo freundlich, mich auf dem nächſten Wege vor Sr. Majeſtät Angeſicht zu führen.

Wenige Minuten darauf überſchritt die ſchlanke Ge⸗ ſtalt Kepler's die Schwelle des prächtigen Saales, in

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