Teil eines Werkes 
1. Bd. (1865)
Entstehung
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ſeine Gelehrſamkeit weder zu ſeinem Nutzen, noch zu ſeiner Feinde Schaden verwenden will, und er muß wiſſen, daß man ihn hierher berufen will, denn da ſteht er, und das iſt ſicherlich kein unvorbereiteter Zufall, denn wann pflegt der Magiſter Kepler zu dieſer Tagesſtunde in den Höfen des Hradſchin herumzulungern?

In der That, es war Johannes Kepler, der in ſeinem ſtattlichſten braunen Sammtwams, angethan mit gefaltetem Ringkragen, das Barett in der Hand und den Degen an der Seite, neben der Erzſtatue des heiligen Georg, des Dra⸗ chenbezwingers, ſtand, die das Volk bei dem Gedränge während der Feierlichkeiten der Krönung Rudolf's zum Könige von Böhmen von ihrem Piedeſtal geriſſen hatte und die vor nicht langer Zeit erſt wieder erneuert und aufgerichtet über dem Brunnen ſtand, deſſen Waſſer leiſe rieſelnd unter ihr in ein Marmorbecken fließt. Magiſter Kepler lehnte an dem Fußgeſtell der Figur, und die großen glänzenden Augen des Gelehrten ruhten nachdenk⸗ lich auf dem dornengekrönten Chriſtuskopfe, der in Moſaik gearbeitet, an dieſer Stelle die Mauer des St. Veitsdomes ſchmückt. Er war in tiefe Gedanken ver⸗ ſunken und achtete einen Augenblick nicht auf die Ankunft des kaiſerlichen Dieners, bis dieſer ihn endlich, mit ge zogenem Hute vor ihm ſtehend, anredete.

Wollet mich entſchuldigen, Herr Magiſter, ſagte