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Die Familie H. : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer. Aus dem Schwed. übers. von G. Fink
Entstehung
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Emilie brachte den Brief. Beide Schweſtern näher⸗ ten ſich damit dem Lichte. Julie wollte es putzen, aber ſei es nun aus Verſehen oder Vorſatz, ſie löſchte es aus. Alles blieb einen Augenblick eben ſo ſtille, als dunkel, bis Emiliens herzliches Gelächter ſich hören ließ, Julie ſtimmte ein, und ich konnte mich nicht enthalten, mit ihnen ein Trio zu machen. Zwiſchen Stühlen und Tiſchen ſuchend und ſtolpernd fanden die Schweſtern end⸗ lich ihre Betten und riefen mir lachend:„Gute Nacht! Gute Nacht!“ zu.

Der Tag nach meiner Ankunft war im Hauſe ein ſogenannter Aufräumtag; ein Tag, der ſich hie und da in allen wohlgeordneten Häuſern einſtellt und mit einem Ungewitter in der Natur verglichen werden kann, nach deſſen Stürmen und Regenſchauern Alles in erneuter Klar⸗ heit, Ordnung und Friſche erſcheint.

Man ſcheuerte, lüftete, ſtäubte ab, putzte an allen Ecken und Enden. Die gnädige Frau, die ſelbſt Alles übernehmen wollte, ging unaufhörlich zu allen Thüren ein und aus, und ließ ſehr häuſig alle offen, wodurch ein entſetzlicher Zug entſtand. Um mich vor Ohrenfluß und Zahnweh zu retten, floh ich von Zimmer zu Zim⸗ mer und fand endlich in dem Helenas eine Treppe weiter oben einen ſturmfreien Hafen. Dieſes kleine Zimmer ſchien mir das gemüthlichſte und freundlichſte im ganzen Hauſe. Es hatte Fenſter nach der Sonnenſeite und die Wände waren mit Gemälden, meiſtens anmuthigen Land⸗ ſchaften, geſchmückt. Unter dieſen zeichneten ſich zwei von Fahlerantz aus, worin der Pinſel des großen Künſt⸗ lers die entzuckende Ruhe hervorgezaubert hat, die ein ſchöner Sommerabend über die Natur ausbreitet, und die ſich dem Herzen des Menſchen ſo mächtig mittheilt. Das Auge, das aufmerkſam auf dieſen Gemälden haftete, drückte bald etwas Liebliches, Wehmüthiges und Schwärmendes aus, und dieß war die ſicherſte Bürgſchaft für ihre wahrheitsvolle Schönheit.

Die Möbel im Zimmer waren ſchön und bequem⸗

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